In geschlechtshomogenen Gruppen wird nicht unbedingt besser, doch aber "anders" gelernt - daher arbeiten wir in Projekten mal nur mit Mädchen und mal nur mit Jungen. Bei uns wachsen verunsicherte Mädchen durch Trainings zur Selbstbehauptung oder sie erobern sich öffentliche Räume durch Erlebnissportarten.Jungs campen mit Erlebnispädagogen in der Natur und genießen die Zeit "nur unter Männern". Manchmal treffen auch Mädchen- auf Jungengruppen - Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden deutlich!
In dem Projekt "Starke Mädchen, starke Jungen" reisten 2007 Dortmunder Jungen mit zwei Erlebnispädagogen für fünf Tage an die Ems und campten dort auf einem Bauernhof. Ob Kühe melken oder Lagerfeuerromantik – es bleibt ausreichend Platz für Gespräche unter freiem Himmel - nur unter Männern. Der gemeinsame Seilbrückenbau war eine echte Herausforderung, ebenso wie die GPS Tour und die Selbstorganisation der täglichen Mahlzeiten in der Outdoor-Küche.Gleichzeitig begaben sich Dortmunder Mädchen auf die Reise ins Sauerland. Am Kletterfels im Hönnetal testeten sie ihren Mut und ihre Kraft aus. Starke Nerven waren gefragt, als die jungen Frauen nachts die Wälder rund um Menden erkundeten. Es gab ausreichend Raum und Zeit, das eigene Rollenbild über die gemachten Erfahrungen unter Anleitung zu überdenken.Zurück in Dortmund organisierten wir ein Zusammenkommen der beiden Gruppen. Die Mädchen und Jungen bereiteten vorher eigenständig die gegenseitige Präsentation der Erlebniswochenenden vor. Thema war der Austausch über den unterschiedlichen Umgang von Mädchen und Jungen in Abenteuersituationen. Das Projekt wurde vom Landesjugendamt Westfalen-Lippe und Jugendamt Dortmund gefördert.
Üblicherweise sind die Rollen auf Spielplätzen und Schulhöfen verteilt: Die Jungen spielen Basketball, bolzen, skaten und produzieren sich selbstbewusst auf ganzer Fläche. Mädchen stehen am Rand, klatschen Beifall, spielen höchstens mal Tischtennis. "MädchenStärken", das Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und Nike, wollte das durchbrechen. Hier erobern sich Mädchen die von Jungen „besetzten" Sportarten und Räume und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit. „MädchenStärken" möchte geschlechterspezifische Benachteiligungen aufheben und ein modernes und selbstbewusstes Rollenverständnis vermitteln. Weg vom Rand, rauf aufs Spielfeld und mitbestimmen, wo’s lang geht! Von der Chance auf mehr Selbstbewusstsein sollen vor allem sozial benachteiligte Mädchen und junge Frauen profitieren. 2002 startete das Pilotprogramm mit der Ausschreibung von Fördergeldern. Von der Jury wurden bundesweit sechs Projektträger mit ihren Ideen ausgewählt, unter ihnen auch der ELE. Seither hat der Verein verschiedene Projektideen umgesetzt, die Mädchen stärken. Was könnte Mädchen und junge Frauen stärker machen als das Kennen lernen neuer, ungeahnter Fähigkeiten? Und neue Erfahrungen außerhalb ihres Alltags gab es für die zwölf Teilnehmerinnen reichlich. Für 10 Monate trafen wir uns im Jahr 2004 mit den Mädchen im Alter von acht bis achtzehn Jahren. In insgesamt 16 Gruppentreffs standen unter anderem Vertrauensübungen, zahlreiche Kletterevents und später auch gemeinsam geplante Abenteuertage und Veranstaltungen auf dem Programm. Die Mädchen lernten, selbstverantwortlich und kollektiv Entscheidungen für ihr (Freizeit-) Verhalten zu treffen und konnten sich über die Aktivitäten neue Erlebnisräume im Stadtteil erschließen. Sie bekamen die Möglichkeit, sich miteinander zu bewegen und hierbei Vertrauen in die eigenen körperlichen Fähigkeiten zu entwickeln. Sie konnten beim Klettern ihren Mut zeigen und gemeinsam ihre Grenzen positiv überschreiten. Sie bekamen die Chance, Aktivitäten durchzuführen, die anfangs sogar ihrer eigenen Ansicht nach eher Jungen vorbehalten sind. Und sie erfuhren: Diese Aktivitäten sind für sie nicht weniger reizvoll und abenteuerlich! Räumlich hat sich unser Projekt an der nördlichen Innenstadt Dortmunds orientiert, einem Stadtbezirk mit besonderem Erneuerungsbedarf, dessen Bewohner sich mit vielfältigen sozialen Problemen auseinanderzusetzen haben. Die Teilnehmerinnen wurden von uns aus unterschiedlichen Freizeittreffs und Schulen des Stadtbezirks geworben und waren sich zunächst größtenteils fremd. Die Projekteinheiten wurden an wechselnden Erlebnisorten durchgeführt, die meisten von ihnen lagen im eigenen Stadtteil.
Bericht als PDF (ca. 800 KB)
Evaluationsbericht als PDF (ca. 177 KB)
5. Stuttgarter Sportkongress als PDF (ca. 4,6 MB)
Pressestimmen:
Ruhrnachrichten, 13. September 2004 (JPEG, ca. 100 KB)
"Mit Helm, Klettergurt und Seilen"
Ruhrnachrichten, 12. Juni 2004 (JPEG, ca. 50 KB)
"Mädchen kaufen Jungs den Schneid ab"
Stadtanzeiger Nord, 19. Mai 2004 (JPEG, ca. 180 KB)
In den folgenden zwei Jahren wurde die Arbeit mit den älteren Mädchen fortgeführt. Durch die Begegnungen mit ausländischen Gästen, Unternehmerinnen und Mitgliedern des Rotaract Clubs erhielten die Mädchen ein Coaching für die private und berufliche Lebensplanung.Im Sommer 2005 organisierten wir eine internationale Begegnung von unseren Projektteilnehmerinnen und Gästen aus Frankreich, Serbien und Montenegro, Südkorea, Russland und der Slowakei. Diese reisten für drei Wochen ins Ruhrgebiet, um an einem internationalen Workcamp teilzunehmen. Der Austausch förderte Verständigung und Toleranz und gab den Mädchen Einblicke in die Besonderheiten der eigenen und fremden Kultur. Im Vordergrund stand der Austausch über Vor- und Nachteile, die man jeweils als Mann oder Frau im eigenen Land hat. Nach Abreise der ausländischen Gäste starteten die Mädchen und zwei zur Gruppe kommende Jungen in ein großes Ferienabenteuer und richteten sich mitten im Norden der Stadt in dem Outdoor-Camp ein.
Pressestimmen:
"Die Gruppe hält zusammen, obwohl zwei Jungs dabei sind"
WAZ, 6. August 2005 (JPEG, ca. 216 KB)
Nach den Sommerferien reisten die Dortmunder Mädchen für ein Outdoor-Training ins Sauerland. Sie kletterten in die Krone eines 35 Meter hohen Baumes. Die gegenseitige Sicherung übernahmen die Mädchen selbst. Nach gemeinsamen Erlebnissen in der Natur empfingen die Mädchen aus der Großstadt neun berufstätige Frauen und verbrachten mit diesen gemeinsam zwei weitere Abenteuertage. Durch verschiedene Spiele und Teamaufgaben lernten sich Mädchen und Frauen kennen, teilten Spaß, Bewegung und Abenteuer miteinander. Im Vordergrund stand dabei, gleichberechtigt mit- und voneinander zu lernen. Die Mädchen wiesen die Frauen in das Bergsportmaterial ein und übernahmen die Verantwortung für ihre Sicherheit bei einer Baum-Kletteraktion. So boten sie den Frauen ein außeralltägliches Kletterabenteuer. Im Gegenzug coachten die Frauen die Mädchen für ihre Zukunft. Sie unterstützten die Schülerinnen bei dem Entwurf einer persönlichen Planung. Hilfe dazu gab eine gemalte "Zielscheibe", auf der verschiedene Nah- und Fernziele für die private und berufliche Zukunft eingetragen werden konnten: "Was möchte ich nach meinem Schulabschluss beruflich erreichen? Was wird von mir erwartet und was benötige ich an Unterstützung um meine Ziele umzusetzen? Möchte ich mal heiraten, Kinder bekommen, berühmt werden? Über welche Hindernisse könnte ich stolpern?"
Pressestimmen:
"Frauen und Mädchen lernen voneinander"
WR/Meschede, 6. September 2005 (JPEG, ca. 180 KB) Verlinkung zu Presseartikeln setzen
2006 wurde das Begegnungs-Abenteuer zwischen Mädchen und Frauen in Dortmund fortgeführt. Inhalt des ersten Treffens war die Spielgeschichte „Die Zusammenkunft der Eisköniginnen". Mädchen und Frauen begaben sich auf die Suche nach einem Kristall, der das Eisreich vor einem bösen Fluch schützen sollte. Ungewöhnliche Teamaufgaben wurden bei eisigkaltem Wetter gemeinsam bewältigt.
An einem weiteren Treffen erklommen Mädchen und Frauen eine zwölf Meter hohe "Himmelsleiter" aus Holzbalken. Eine Aufgabe, die nur im Team lösbar war. Für starke Mädchen und Frauen kein Problem! Zu Besuch was an diesem Tag die Frau des Oberbürgermeisters, Frau Langemeyer.
"Wiedersehen mit Unternehmerinnen"
WR/Dortmunder Rundschau, 17. Mai 2006 (JPEG, ca. 93 KB)
Zum Abschluss organisierten wir ein Zusammentreffen mit jungen Leuten aus dem Rotaract Club Dortmund, der unser Projekt unterstützen wollte. In Kleingruppen gingen die gemischten Teams auf die „Entdeckungsreise verrücktes Dortmund“. Sie folgten über GPS-Koordinaten einer Route in der Innenstadt, lösten gemeinsam Rätsel und erkundeten auf abenteuerlichem Wege neue öffentliche Räume.
Das Projekt stärkte 11-14 jährige Mädchen aus Dortmund in ihrer Fähigkeit zur Selbstbehauptung und Selbstbestimmung. Das innovative Konzept verknüpft Methoden aus der „Erlebnispädagogik" und des „Selbstbehauptungstrainings". Die Mädchen stellten sich mit Seil, Klettergurt und Karabiner nicht-alltäglichen Herausforderungen. Sie erprobten in einer Kletteraktion ihren Mut und erlebten ihre körperliche Stärke und Beweglichkeit. Über Rollenspiele, Gesprächskreise, Körperübungen, Wahrnehmungs- und Durchhalteübungen lernten die jungen Frauen sich mit dem eigenen Rollenbild auseinanderzusetzen und Gefühle zu deuten und auszudrücken. Sie trainierten das Erkennen und Setzen von eigenen Grenzen und das "Nein sagen" mit Körper und Stimme sowie das Entwickeln eines Gespürs und Verhalten in bedrohlich erlebten Situationen. Das Projekt wurde durch die Fotografin Kathrin Lingen begleitet. Die Wanderausstellung wurde im Fritz-Henßler-Haus und in verschiedenen öffentlichen Einrichtungen in Dortmund präsentiert, um jüngeren Mädchen Mut zur Selbstbehauptung zu machen. Sie bot den jungen Frauen die Möglichkeit, das Thema „starke Mädchen" mit Menschen aus ihrem Stadtteil zu diskutieren. Heute ist die Wanderausstellung im neuen Büro des ELE im Union Gewerbehofes zu sehen. Das Projekt wurde 2006 vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert und vom Respekt Büro Dortmund unterstützt.
Broschuere 3 x M (PDF, ca. 8,2 MB)