Zentrale Aufgabe sozialer Arbeit ist es heute, benachteiligte Menschen zu ermutigen und zu befähigen, neue Herausforderungen stärker als Chance denn als Krise zu verstehen, alte Trampelpfade zu verlassen und sich mutig und selbständig neue Perspektiven zu eröffnen. Es mutet ein wenig paradox an, aber die gleichen motivierenden Worte treffen auch auf die Träger der sozialen Arbeit selbst zu: Die leeren öffentlichen Kassen begrenzen ihre dringend benötigte Arbeit immer enger. Diese Situation kann man als Herausforderung betrachten, aber noch dazu als Chance?
Es wirkt beruhigend, dass sich privatwirtschaftliche Unternehmen in dieser Situation vermehrt ihrer sozialen Verantwortung bewusst werden und sich unterstützend in soziale Projekte einbringen. Gestaltungs- und Handlungsspielräume für sozial benachteiligte Gruppen zu sponsern ist daher ein unverzichtbares Feld privatwirtschaftlichen Engagements – auch in der Jugendarbeit. Ebenfalls wichtig ist es jedoch, Jugendlichen Hilfestellungen zu geben, ihre Chancen zur selbstbestimmten Lebensgestaltung zu erkennen und zu nutzen. Hier braucht es die sozialen Kompetenzen und Erfahrungsschätze, hier braucht es die Vorbilder engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und des Managements von Betrieben.
In dieser Verknüpfung von Corporate Giving und Corporate Volunteering liegt auch die Chance der neuartigen Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Sozialarbeit: wenn sich soziale Träger und Privatunternehmen nicht lediglich als Dienstleister und Financiers, sondern als neue strategische Partner begreifen, können aus dem gegenseitigen persönlichen Engagement neue Einblicke und Erfahrungen für beide Seiten erwachsen.
Wir entwickeln Konzepte, denen diese Verknüpfung gelingt. Unser erstes Modellprojekt „Ungewöhnliche Begegnungen“ wurde im Herbst 2004 durchgeführt. In seinem Verlauf traf eine Gruppe Schülerinnen auf 14 Unternehmerinnen und Führungskräfte. An einem gemeinsamen Wochenende tauschten sie ihre Vorstellungen und Erfahrungen zu den Themen Beruf, Freizeit und Familie aus. So gelang ein intensiver Blick hinter die Kulissen der Berufswelt einerseits und auf die Vorstellungen von Zukunft und Lebensgestaltung andererseits. Die thematische Arbeit wurde mit einer Kletteraktion abgeschlossen, die von den Mädchen intensiv vorbereitet worden war – diese gemeinsamen Erlebnisse halfen sehr, miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Konzept wurde in den folgenden Jahren weiter erprobt und optimiert. Die Arbeit sowohl mit den Jugendlichen als auch Wirtschaftsakteuren und die Zusammenführung beider Zielgruppen ist heute ein Schwerpunkt in unserer Projektarbeit.Beispiele für Begegnungsprojekte Jugend - Wirtschaft finden Sie hier.
Wir arbeiten aktiv im Arbeitskreis Unternehmenskooperation (AKU) des ABA Fachverbandes mit. Er hat sich gegründet, weil das Thema „gemeinnütziges Engagement von Unternehmen“ („Corporate Citizenship“) für viele Einrichtungen der Offenen Arbeit und aber auch Unternehmen immer wichtiger geworden ist und möchte Unternehmen und soziale Einrichtungen bei der Kooperation unterstützen.